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Rückblick

22.11.2017

Melanie Wolfers: Entdecke die Freundschaft zu dir selbst

Sagen Sie zuweilen oder vielleicht sogar ganz oft so verächtliche Worte zu sich selbst, die Sie anderen nie sagen würden? Dann mangelt es ihnen an der Freundschaft mit sich selbst – und das ist die Ursache von so manchem Unglück im Leben. Von der Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein, sprach die Ordensfrau und spirituelle Begleiterin Melanie Wolfers bei der Katholischen Erwachsenenbildung in Ingolstadt.

Melanie Wolfers: Manchmal sagen wir so derbe Dinge zu uns, die wir anderen nie sagen würden ... (Bild; Raymund Fobes)

Die Referentin gab den anwesenden Teilnehmer/innen viele Anregungen. (Bild: Raymund Fobes)

Melanie Wolfers mit Rudi Schmidt von der Katholischen Erwachsenenbildung (links) und mit Pfarrer Holger Schwarzer vom Evangelischen Forum, das Mitveranstalter war (rechts). (Bild: Raymund Fobes)

Das Unglücklichsein selbst indes sollte man gar nicht so negativ sehen, erklärte Melanie Wolfers den erstaunten Zuhörerinnen und Zuhörern, die in den Dr. Eck-Saal im Canisiuskonvikt gekommen waren. Es ist nämlich fatal, wenn Menschen sich Vorwürfe machen, dass sie unglücklich sind.  Haltungen wie „Du hast es selbst in der Hand, gut drauf zu sein“ oder „Du bist selbst schuld, dass Du unglücklich bist“ sind falsch. Wir können oft weder etwas dafür noch etwas dagegen tun, dass wir Traurigkeit fühlen. Aber Trauer kann auch glücken, machte Melanie Wolfers, die dem Orden der Salvatorianerinnen angehört, deutlich – indem man sich etwa bewusst macht, dass es gerade die tristen Zeiten sind, wo wir gut einmal durchatmen und Atem holen können. Und auch das Gebet ist nicht unbedingt und immer ein Weg zum Glücklichwerden, erklärte Wolfers. Das Gebet  aber bietet die Chance, zum einen die Erfahrung zu machen, in der Trauer nicht allein zu sein und zum zweiten diese Traurigkeit anzunehmen, auch wenn wir sie nicht verstehen.

Hilfreich kann aber da auch das Gespräch mit wirklichen Freunden sein. „Geteiltes Leid ist halbes Leid, doch ebenso ist geteilte Freude doppelte Freude“, sagte Melanie Wolfers. Und genau diese Erfahrung unter Freunden, die Leid und Freude miteinander teilen, sollte man auch in der Freundschaft mit sich selbst anwenden – konkret: sich über das Gute, das in einem ist, auch zu freuen und sogar ein Stück weit stolz darauf sein. Statt „Eigenlob stinkt“ dürfe man zu Recht auch sagen „Eigen Lob stimmt“.

Und wie sieht es mit den wirklich negativen Seiten aus, die in einem sind? Auch die solle man annehmen. Wenn man sie nämlich täglich bekämpft und beschimpft, werden sie ganz bestimmt nicht verschwinden. Nimmt man sie aber an, so ist es möglich, dass ich mich weiter entwickeln kann.

Die eigene Wertschätzung indessen schließt die Wertschätzung des anderen ganz und gar nicht aus. Melanie Wolfers:„Wer sein eigenes Licht wirklich schätzen kann, der hilft auch anderen, ihr Licht zu schätzen. Daher soll jeder sein Licht leuchten lassen, damit auch andere zum Leuchten kommen.“

Eigenlob indessen, das im egoistischen Narzissmus verwurzelt ist, stinkt allerdings mehr, als dass es stimmt. Narzissten seien allerdings auch nicht wirklich mit sich befreundet, erklärte Melanie Wolfers. Vielmehr bräuchten sie immer die Bestätigung, besonders gut zu sein, weil sie sich in Wirklichkeit gar nicht mögen.

Text und Bilder: Raymund Fobes