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Rückblick

21.03.2018

Die gute Nachricht vom Jüngsten Gericht - Prof. Gerhard Lohfink über die Letzten Dinge

Nach unserem Tod wird auf uns das Jüngste Gericht zukommen – doch die gute Nachricht: Es wird eine Reinigung sein, die uns am Ende glücklich macht. Das sagte der Neutestamentler Prof. Gerhard Lohfink bei einem Vortrag im Dr.-Eck-Saal des Canisiuskonviktes in Ingolstadt. Eingeladen hatten die Katholische Erwachsenenbildung sowie das Evangelische Forum.

Gerhard Lohfink: Beim Jüngsten Gericht wird offenbar, wer wir wirklich sind - und diese Reinigung wird uns am Ende glücklich machen. (Bild: Raymund Fobes)

Referent Prof. Gerhard Lohfink, umgeben von Pfarrer Holger Schwarzer vom evangelischen Forum (li) und Rudi Schmidt von der KEB (re). (Bild: Raymund Fobes)

Die Wirklichkeit vielfältigen Unrechts in dieser Welt fordert einfach das Jüngste Gericht nach dem Tod heraus, machte Lohfink deutlich und zählte auf, wie viel an Schuld und Sünde in dieser Welt existieren. Es sind nicht nur die großen Ungerechtigkeiten wie Kriege und Völkermorde, von denen es gerade im vergangenen Jahrhundert so viel gab, es gibt auch das Unrecht, über das kaum gesprochen wird – was Eheleute einander antun, genauso Eltern ihren Kindern und  Kinder ihren Eltern, Lehrer den Schülern und Schüler den Lehrern oder Chefs ihren Angestellten und Angestellten ihren Chefs. Und es gibt ein Unrecht, das Menschen anderen unwillentlich antun – oder aus Gedankenlosigkeit, wenn wir Waren einkaufen, die deshalb so billig sind, weil die, die sie produzieren, ausgebeutet werden. Tatsächlich gibt es, so Lohfink, Sünden, die  in der Struktur der Welt liegen. Genau das ist das, was die Kirche Erbsünde nennt.

All dieses Unrecht schreit nach Gerechtigkeit, und auch wenn es weltliche Gerichte gibt, kann allein Gott endgültige Gerechtigkeit schaffen. Gäbe es aber dieses letzte Gericht nicht, so wäre die ganze Welt eine „perverse Sinnlosigkeit“, in der das Unrecht am Ende ungesühnt bleibt. Genau darum braucht es das Jüngste Gericht, das aber völlig anders ist, als es die meisten Darstellungen zeigen – dort, wo Christus auf dem Richterstuhl sitzt und die einen in den Himmel führt, die anderen in die Hölle verbannt. Denn, so Lohfink, in jedem Menschen gibt es Gutes und Böses, und dieses wird im Gericht offenbar. Bei diesem Gericht steht Gott auch nicht dem Menschen als Richter gegenüber, vielmehr geht es hier um eine Selbsterkenntnis – in der jeder erkennt, wie er wirklich ist, mit seinen guten und schlechten Seiten. Diese Erkenntnis der Wahrheit ist sehr schmerzhaft, sie führt aber am Ende zum reinen Glück, dem Glück, nun in der reinen Wahrheit zu leben. Dieser Reinigungsprozess ist auch das, was die Kirche Fegefeuer nennt.

Lohfink machte deutlich, dass diese Darstellung des Gerichts auch dem biblischen Befund entspricht – also dem, was Jesus Christus selbst dazu gesagt hat. Dabei wird auch die Existenz der ewigen Verdammnis nicht geleugnet – ewig verdammt ist der, der in letzter Freiheit und klarer Erkenntnis von Gott und dem Nächsten nichts wissen will, der auch dann noch im Egoismus verharrt. Auch wird er nicht von Gott verdammt, sondern verdammt am Ende sich selbst durch seinen Widerstand dem liebenden Gott gegenüber. Ob es solche Menschen gibt, lässt sich allerdings nicht mit Sicherheit sagen, es ist durchaus möglich, dass die Hölle letztlich nur eine theoretische Möglichkeit bleibt. Gleichzeitig machte Lohfink aber auch deutlich, dass  Christus deshalb über die Möglichkeit der Hölle sprach, damit der Mensch sich seiner Verantwortung bewusst wird, aus der er sich nicht herausstehlen kann. Die Rede von der Hölle macht den Ernst des menschlichen Handelns bewusst.

Während das Gericht nun den Menschen nach dem Tod zur Erkenntnis zu dem „Ich“, das er in Wirklichkeit ist, hinführt, wächst heute in der Gesellschaft eine Vorstellung vom Dasein nach dem Tod, die in eine ganz andere Richtung geht: Nach dem Tod werden die Atome unseres Körpers freigesetzt und wieder in ganz anderen Formen – etwa als Erdbeere oder als Blatt eines Baumes – zusammengesetzt. Damit wird zwar etwas zu einem Weiterbestehen der Materie nach dem Tod ausgesagt, doch widerspricht das nicht nur dem christlichen Menschenbild, sondern auch dem, dass die Evolution auf den Menschen als individueller Person hingeordnet ist. Es ist daher kaum vorstellbar, dass am Ende nur die atomare Materie übrigbleibt, die dann sich irgendwo anders neu verbindet.

Mit dem Vortrag in Ingolstadt beendete Gerhard Lohfink übrigens seine Vortragstätigkeit. Doch wissenschaftlich und publizistisch tätig bleibt der 83-jährige weiterhin. Künftig will er sich vorrangig dem Verfassen von Büchern widmen.

Raymund Fobes