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Rückblick

16.03.2018

Christen im Heiligen Land – Nahost-Experte Johannes Zang bei der KEB

Im Dezember 2005 wurde Johannes Zang zu einem heiklen Termin gerufen. Der Journalist, damals tätig in Jerusalem, sollte über den Abriss eines Hauses berichten, für das es keine Baugenehmigung gab. Die Bewohner: palästinensische Christen, die nun – mitten im Winter, der auch in Israel recht kalt werden kann – auf der Straße saßen. Eine solche Baugenehmigung ist für Palästinenser allerdings nicht leicht zu haben. Entweder man wartet ewige Zeiten darauf oder man zahlt den Behörden Unsummen von Schmiergeldern oder man erklärt sich bereit, mit dem israelischen Geheimdienst zusammenzuarbeiten. Manche Palästinenser reißen sogar selbst ihre Häuser ab, erklärt Zang, damit sie nicht noch die Gebühr bezahlen müssen, die der Staat ihnen aufdrückt, wenn er das Abrisskommando bestellt.

Beschrieb die schwierige Lage der Christen im Heiligen Land: Nahostexperte Johannes Zang (Bild: Raymund Fobes)

Das Publikum zeigte großes Interesse an dem Vortrag der Journalisten und Reiseleiters, der vielfältige Beziehungen zu palästinensischen Christen hat (Bild: Raymund Fobes)

Die Situation der palästinensischen Christen ist beklemmend, machte der Nahostexperte, der auch als Reiseleitertätig ist, bei seinem Vortrag im Dr. Eck-Saal des Canisiuskonvikts deutlich – und viele verlassen Israel. Übrigens auch junge und eher liberal eingestellte Juden, die die auf Konfrontation setzende Regierung nicht unterstützen. Tatsächlich weiß sich, so Zang, das israelische Parlament am längeren Hebel und ist deshalb kaum daran interessiert, den Versöhnungsprozess weiter voranzutreiben.

Insgesamt leben rund zwei Prozent Christen in Israel, in den palästinensichen Gebieten machen sie ein Prozent aus, in Jerusalem liegt die Zahl unter diesem einen Prozent. Die meisten von ihnen leben in Tel Aviv. Die Christen gehören zumeist der griechisch-orthodoxen oder der  mit Rom unierten melkitisch-orthodoxen Kirche an. Insgesamt sind aber im Heiligen Land Christen aus mehr als 50 verschiedenen Kirchen vertreten. Von der Volkszugehörigkeit her sind es Araber, und sie lesen auch die Heilige Schrift in arabischer Sprache. Zang räumte damit mit dem Vorurteil auf, dass „Araber“ gleichbedeutend mit „Muslime“ ist.

Was die griechisch-orthodoxen Christen betrifft, so sind sie mit ihrer gut betuchten Kirchenleitung nicht so zufrieden, weil diese mit reichen Israelis Geschäfte macht, indem sie ihnen für teures Geld Land verkauft und verpachtet. Auf der anderen Seite stellten sich die griechisch-orthodoxe und die armenische Kirche sowie die Kustodie des Heiligen Landes –die Ordensorganisation der Franziskaner im Land - Ende Februar mit einem spektakulären Schritt gegen Vorhaben der Regierung, kirchliche Güter zu enteignen oder Sozialeinrichtungen der Kirchen zu besteuern: Als verantwortliche Hüter des Gotteshauses schlossen sie die Jerusalemer Grabeskirche, einen der großen Tourismusmagnete der Stadt. Der Gesetzentwurf wird nun neu beraten.  Ebenfalls haben sich Vertreter der Kirchen in einem Brief gegen US-Präsident Trump gewandt, der die Botschaft seines Landes künftig nach Jerusalem verlegen will, was den Friedensprozess im Land nachhaltig gefährdet.

Trotz vieler Konflikte im Land sprach Zang aber auch über Hoffnungszeichen.  So berichtete e r vom Saint-Louis-Hospiz in Jerusalem, wo jüdische, christliche und muslimische Patienten gemeinsam in einem Krankenzimmer gepflegt und behandelt werden –auch von Pflegepersonal und Ärzten aus allen drei Religionen.

Raymund Fobes