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09.10.2020

Frieden und Gerechtigkeit in Mali – Oberstleutnant Christian Wilhelm sprach anlässlich des Weltmissionsmonats

Oberstleutnant Wilhelm: Die Zeit in Mali hat mich verändert. (Bild: © Raymund Fobes)

Das Publikum nahm mit großem Interesse Anteil an den Berichten des Oberstleutnants. (Bild: © Raymund Fobes)

Und dieser stellte sich auch in der Diskussion den Fragen der Zuhörerinnen und Zuhörer. (Bild: © Raymund Fobes)

V. li.: Gerhard Rott, Leiter des Referats Weltkirche im Bistum Eichstätt, KEB-Geschäftsführer Rudi Schmidt, Referent Oberstleutnant Christian Wilhelm, Dekan Bernhard Oswald. (Bild: © Raymund Fobes)

Mit dem gemeinsamen Zeigen des Banners des Weltmissionsmonats wollen die Verbundenheit des Dekanats Ingolstadt mit der Weltkirche ausdrücken: (v. li.) Gerhard Rott, Leiter des Referats Weltkirche im Bistum Eichstätt, KEB-Geschäftsführer Rudi Schmidt, Dekan Bernhard Oswald. (Bild: © Raymund Fobes)

Das westafrikanische Land Mali steht in diesem Jahr neben den Staaten Burkina Faso und Niger im Mittelpunkt des Weltmissionssmonats Oktober 2020. Aus diesem Grund sprach Christian Wilhelm, Oberstleutnant der Bundeswehr, auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung Ingolstadt und des Referats Weltkirche im Bistum Eichstätt im Ingolstädter Canisiuskonvikt, über die Situation in diesem Land.

Wilhelm, gebürtiger Ingolstädter, war vom November 2019 bis März 2020 als Presseoffizier in Mali stationiert und wirkte an der Friedensmission der Vereinten Nationen „Minusma“ mit. Soldaten und Frieden schaffen – das ist immer auch eine Gratwanderung und mag im ersten Moment sogar wie ein Widerspruch aussehen – gerade auch, weil das Motto des Weltmission heißt. „Selig, die Frieden stiften“ – ein Zitat aus der Bergpredigt Jesu.

Dennoch zeigte Wilhelm, dass es darum geht, einen gerechten Frieden zu schaffen, der notfalls auch mit Waffen durchzusetzen ist. Denn Unterdrückung und bewaffnete Gewalt sind ein großes Problem in Mali, sodass die friedliebenden Menschen großen Bedrohungen, mithin massiven Ungerechtigkeiten, ausgesetzt sind.

Mali ist ein weites Land, in dem verschiedene Völker leben – und zu jedem Volk gehört, wie Wilhelm zeigte, eine ganz eigene Waffenform. Das Land ist zerstritten, Raubzüge sind an der Tagesordnung. Die weiße Bevölkerung – die Tuareg – steht gegen die schwarze, Sesshafte stehen gegen Nomaden und der Süden gegen den Norden. Um hier Frieden zu schaffen, sind die UN-Truppen da – und die Bundeswehr stellt rund 1.100 Soldaten.

Besonders heimgesucht ist Mali auch von den Islamisten. Wilhelm berichtete von Sadou Yehia. Einem französischen Sender hatte er ein Interview gegeben und über die Islamisten gesagt: „Wir lehren euch das Beten, wie es richtig geht“ - ein scharfer verbaler Angriff, meinen doch die Islamisten allein zu wissen, wie das wahre Beten geht. Sadou Yehia wurde entführt und ermordet. Und die Terroristen drohten an, sein ganzes Dorf zu vernichten. Alle mussten fliehen, auch ein 13-jähriges Mädchen, dem Wilhelm begegnete. „Wir haben nicht gesprochen – wir haben gesungen“, erzählt er – und fügt hinzu: „In dieser Stunde war alles gut.“ Aber eben nur in dieser Stunde, denn schon bald wird sie verheiratet werden, Kinder zur Welt bringen und hart arbeiten müssen.

„Die Zeit in Mali hat mich verändert“, sagt Wilhelm – und er erzählt auch von lebensgefährlichen Missionen in dieser Friedensmission. Immer wieder kommt es vor, dass Sprengsätze in der Nähe von Fahrzeugen detonieren – doch bisher hatte man Glück, es war nie so dramatisch, dass es Tote gab, Verletzte allerdings schon. Doch waren die Sprengsätze immer so deponiert, dass es nicht zu einer wirklichen Zerstörung kam. Aber die Terroristen werden besser, macht Wilhelm deutlich – und darum unterliegen auch alle Informationen über solche Attentate strengster Geheimhaltung. Tote Bundeswehrsoldaten gab es bisher zwei, sie kamen bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben. „So schlimm wie in Afghanistan ist es nicht“, sagt Wilhelm.

Aber es gibt auch schöne Erlebnisse. Der Oberstleutnant spricht über die christlichen Schulen im Land, die sich größter Beliebtheit erfreuen. Sie haben einen guten Ruf, auch die Muslime, die immerhin mehr als 80 Prozent der Bevölkerung ausmachen, schätzen sie. Christian Wilhelm hat einer Schule sogar einmal ein E-Piano geliefert, wie er erzählt.

 

Dass die Bundeswehr hier in Mali einen Beitrag zum Frieden leistet und das durchaus dem Motto des Weltmissionsmonates „Selig, die Frieden stiften“ entspricht, machte Wilhelm in seinem Vortrag deutlich. Und dass diese Veranstaltung auch die Verbundenheit der Kirche Ingolstadt mit der Kirche in Mali ausdrückt, zeigte der Loeiter des Referates Weltkirche Gerhard Rott in einer schönen Geste. Gemeinsam mit Dekan Bernhard Oswald und dem Geschäftsführer der KEB Ingolstadt Rudi Schmidt hielt er bei der Veranstaltung das Banner des Weltmissionsmonats hoch.

Text und Bilder: © Raymund Fobes

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