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04.10.2020

Begegnung mit einem Philosophen – Markus Herrmann stellte seinen neuen Roman „Meine Sommer mit Nietzsche“ vor

Autor Markus Herrmann bot interessante Einblicke zu Friedrich Nietzsche (Bild: © Raymund Fobes)

Auf Corona-Abstand, aber mit großem Interesse dabei. Der Vortrag von Markus Herrmann bot auch Anlass zur Diskussion über Friedrich Nietzsche (Bild: © Raymund Fobes)

Ein knorriger, etwas widerspenstiger Philosoph, der aber doch ganz tief innen ein gutes Herz hat und eine sehr agile junge Frau, begeistert vom Christentum und als Redakteurin von einer gesunden Neugier getrieben. Das sind die Hauptpersonen in dem neuen Roman von Markus Herrmann, den er bei der KEB im Haus der Stadtkirche Ingolstadt vorgestellt hat.

Der Philosoph ist kein geringerer als Friedrich Nietzsche, und die junge Dame trägt den Namen Sibylle von Rathingen, stammt aus Frankfurt und lebt als Redakteurin einer christlichen Zeitung in Zürich. Die Geschichte spielt größtenteils in Sils-Maria im Schweizerischen Engadin, wo der Philosoph lebt. Sibylle von Rathingen möchte den gottsuchenden Atheisten zunächst noch wieder zum Christentum zurückführen, nimmt aber dann davon Abstand, als sie merkt, dass das wohl keinen Sinn hat. Die freundschaftliche Beziehung, die rein platonisch ist, bleibt aber bestehen – denn der Philosoph fasziniert sie, auch weil er ihr gegenüber tolerant ist, obgleich sie seine Meinung nicht teilt. Ganz anders der evangelische Vikar aus dem nahegelegenen St. Moritz, der sehr vehement versucht, Nietzsche zur Umkehr zu bewegen, dann aber merken muss, dass er dabei auf Granit beißt. Doch muss auch er einsehen, dass ein rigoroser Kurs in der Seelsorge zum Scheitern verurteilt ist.

Herrmann stellte einige Blitzlichter aus seinem Roman vor, der sich im Ganzen als ein Plädoyer für die Begegnung erweist, ganz im Sinne des Satzes des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber, dass alles wirkliche Leben Begegnung ist. Und noch eine zweite Botschaft vermittelt der Roman, eine Weisheit, die am Ende Sibylle von Rathingen ausspricht: „Das Christentum wächst nicht durch Propaganda, sondern durch Anziehung.“ Gerade der christliche Lebensstil Sibylles bewirkt etwas bei Nietzsche, wenn auch nicht die Umkehr zum Christentum, so aber doch eine Sympathie für die junge Dame und ihre Ideen.

Diese tiefgehenden Botschaften zu Beziehung und Begegnung sind das eine, was Herrmanns Buch attraktiv machen, das andere ist die kurzweilige und spannende Erzählweise. Von beidem bekam man bei der Lesung einen ersten Eindruck – sie machte neugierig, das ganze Buch zu lesen.

Mehr Infos auch im Podcast der Erwachsenenbildung unter „Audios“ oder hier bei Soundcloud

 

Text und Bilder: © Raymund Fobes

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