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Rückblick

16.11.2018

P. Guido Kreppold, Kapuzinerpater und Psychotherapeut zu Leben, Tod und Ewigkeit

„Lang leben will jeder, aber alt werden niemand“. Mit dieser Feststellung über die heutige Gesellschaft begann Kapuzinerpater Guido Kreppold seinen Vortrag bei der KEB Ingolstadt im Haus der Stadtkirche zum Thema ewiges Leben. Tatsächlich, so machte der erfahrene Priester und Psychotherapeut auch deutlich, sei beides möglich – allerdings anders, als es der Mainstream wohl vermutet.

P. Guido Kreppold: Offenheit für das Selbstbild Gottes in uns (Bild: © Raymund Fobes)

P. Guido Kreppold führte die interessierten Besucherinnen und Besucher des Vortrags zu ganz neuen Aspekten über Tod und Ewigkeit (Bild; © Raymund Fobes)

P. Guido: Gotteserfahrung macht Fähig zur Liebe (Bild; © Raymund Fobes)

Dabei definierte er Ewigkeit nicht als endlose Zeit, sondern als Zeitlosigkeit. Etwa beim Hören eines schönen Konzertes, in einer erfüllenden Beziehung oder auch bei einer ergreifenden liturgischen Feier lässt sich solche Zeitlosigkeit erfahren. Solcherart wird wohl auch die Ewigkeit sein, die uns verheißen ist. P. Guido verortete diese Erfahrung von Ewigkeit angelehnt an Carl Gustav Jung in  der Tiefe des menschlichen Unbewussten, wo das Göttliche als Selbstbild Gottes aufscheint.  Aufgabe sei es, dementsprechend schon jetzt Zugang zum Unbewussten zu erhalten und damit zur Gotteserfahrung zu gelangen  – Erfahrungen, die vor allem die Mystiker gemacht haben.Dabei erweist sich dieses Selbstbild Gottes in uns als der stärkste Antrieb und unerschöpfliche Energie. Theologisch lässt sich dieses Selbstbild Gottes mit dem Heiligen geist vergleichen. P. Kreppold zeigte auch, dass sogar demente Menschen für spirituelle Erfahrungen offen sind. Anhand eines Beispiels zeigte er, wie eine Gruppe schwer Erkrankter, bei den Gehirnfunktionen massiv eingeschränkt waren, zur Ruhe kam und dann gemeinsam „Großer Gott wir loben dich“ sagng. Daraus schloss P. Guido auch, dass das Bewusstsein von Gott unabhängig vom Gehirn existieren kann, mithin auch nach dem Tod.

Allerdings können Menschen  mit der Erfahrung im göttlichen Selbst auch völlig falsch liegen, etwa wenn Religion zu Gewalt und Mord und Totschlag aufruft. Der so starke, ja geradezu titale Antrieb im Menschen durch das Selbstbild Gottes  – so warnte P. Guido – ist nicht identisch mit dem Willen Gottes. Eine Gotteserfahrung nach dem Willen Gottes indessen befähigt zur Liebe – zu einer Liebe zum Mitmenschen und der Schöpfung, getragen von der liebevollen Beziehung Gottes zu uns. Als Beispiel dafür nannte der Kapuzinerpater den Sonnengesang seines Ordensvaters Franziskus: ein Lobpreis Gottes für seine Schöpfung, aber auch für die Menschen und schlussendlich sogar für den Tod. Und – so machte P. Guido schließlich deutlich: Wenn wir offen sind für Gotteserfahrungen, sie auch suchen, etwa im Stillwerden oder der Meditation, dann hält uns das innerlich jung.

Text und Bilder: © Raymund Fobes