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Rückblick

11.04.2018

Mut zum Neuen und Anderen – Bärbel Wardetzki zeigte Wege aus veränderungsbedingten Krisen auf

Veränderungen im Leben können einem gehörig Angst machen – aber wir können ihnen nicht entgehen. Es hilft alles nichts, wir müssen Wege finden, solche Situationen zu bewältigen. Tipps dazu gab bei einem Vortrag im Ingolstädter Kanisiuskonvikt die Psychologin und Buchautorin Bärbel Wardetzki. Eingeladen hatten die KEB, der Sozialdienst Katholischer Frauen (SkF) und die Kolpingsfamilie.

Bärbel Wardetzki: Vertraue in der Krise auf deine Fähigkeiten. (Bild: Raymund Fobes)

Über eine große Zahl von Gästen konnten sich Referentin Bärbel Wardetzki und KEB-Geschäftsführer Rudi Schmidt freuen. (Bild: Raymund Fobes)

Der Verlust der Arbeitsstelle, die Trennung von einem Partner, der Tod eines geliebten Mitmenschen oder die Konfrontation mit einer Krankheit,  durch die alles anders wird; solche Situationen gehören zum Leben dazu – und im Grunde sind sie nur so zu bewältigen, indem wir sie aktiv und in Eigenverantwortung angehen.  Dies spielt auch dann eine Rolle, wenn wir uns innerlich eine Veränderung wünschen, weil wir deutlich merken, es tut uns nicht gut, im Status Quo zu verbleiben – aber wir trauen uns nicht. Hier ist ein sorgfältiges Abwägen nötig. Natürlich ist ein finanzielles Risiko bei einer beruflichen Veränderung nicht zu unterschätzen, aber ebenso sollten wir auch nicht in einer Situation bleiben, die das Selbstwertgefühl massiv behindert.

Ein gekränktes Selbstwertgefühl erweist sich aber auch als eine der großen Gefahren, die bei erzwungenen Veränderungen auftauchen. Denn oftmals brechen durch solche Veränderungen alte vergessene Kränkungen auf – etwa, wenn ich in eine weniger verantwortungsvolle berufliche Stellung gerate. Werden diese Situationen nicht bewältigt, warnt Wardetzki, kann sich eine posttraumatische Verbitterung einstellen, in der der Betroffene sich mehr und mehr zurückzieht und dann immer nur noch allen zeigen will, was sie ihm angetan haben. Dies aber verunmöglicht es wiederum, am Leben Freude zu haben. Insofern riet Wardetzki, aus der Opferrolle herauszutreten und sich bewusst zu machen, dass auch in solchen Krisen Chancen liegen. Oft merkt man sogar Jahre später, dass sich eine auf den ersten Blick schlimme Situation als Segen erweist. Die Referentin berichtete davon, dass sie seinerzeit nicht den Traumjob vor der Haustür bekommen hatte, dafür aber eine Arbeit weit weg von daheim annehmen musste – erst widerwillig, doch dann erwies sich genau das später als Segen.  „Manchmal ist das Leben klüger als wir selbst“, kommentierte Wardetzki diese Erfahrung.

Wer Angst vor Veränderungen hat oder sie nicht zu bewältigen vermag, tut auch gut daran, sich bewusst zu werden, dass viele Ängste ihre Quelle gar nicht in der Realität haben, sondern in unseren Vorstellungen. Beispielsweise, so die Referentin an einem aktuellen Beispiel, sei es Unsinn zu meinen, dass alle Migranten Verbrecher sind . Oft helfe es, um solchen Vorurteilen entgegenzuwirken, einfach einmal das Gespräch und die Begegnung mit anderen –etwa den Flüchtlingen zu suchen. Allerdings warnte Wardetzki auch davor, Ängste der Bevölkerung vor den Flüchtlingsströmen unter den Tisch zu kehren.  Sie beklagte, dass es in unserer Gesellschaft kaum ein Forum gebe, um über diese Ängste offen und ehrlich zu reden, ohne in eine Schublade gesteckt zu werden.

Hilfreich sei schließlich auch, sich eines tragenden Sinns im Leben bewusst zu werden – und da hat auch die Religion einen wichtigen Stellenwert. Es sei gut, wenn man daran glauben könne, dass da ein Gott ist, der mich tragt, sagte Wardetzki, und drückte ihre Betroffenheit darüber aus, dass viele ihrer Klienten in der Therapie kaum noch Zugang zur Spiritualität hätten.

Bärbel Wardetzki gab so in ihrem Vortrag einige wichtige Impulse, um gut mit Veränderungen umgehen zu können. Gleichwohl müsse man sich aber mitunter auch auf einen  langwierigen Prozess einstellen, um aus der Krise herauszukommen:  „Vertrauen Sie darauf, dass es weitergeht – aber es kann über viele Kurven gehen.“ Und wer es nicht allein schafft, der solle sich auch nicht scheuen, professionelle Hilfe anzunehmen.

Raymund Fobes