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Rückblick

15.05.2019

Ein Weg zum authentischen Christsein - Schönstätter Marienschwester Dorothea M. Schlickmann über P. Josef Kentenich

Er hat nicht nur gläubigen Christen etwas zu sagen. Das zeigte Schönstattschwester Dorothea (Doria) M. Schlickmann, Biographin von P. Josef Kentenich, dem Gründer der Schönstattbewegung, bei einem gut besuchten Vortrag in der Dombuchhandlung St. Willibald in der Ingolstädter Innenstadt.

Schwester Dorothea M. Schlickmann: P. Josef Kentenich macht mut zum eigenständigen und verantwortlichen Leben (Bild: © Raymund Fobes)

Gerade in einer Zeit, wo viele auf der Suche nach Sinn und Orientierung sind, kann P. Kentenich Antwort geben, ist die promovierte Ordensfrau, Germanistik, Geschichte und Erziehungswissenschaften studiert hat, überzeugt.  Neben seiner mutmachenden Bewältigung von Leidenssituationen beeindruckte die Gründergestalt durch seine Echtheit, die er auch bei denen fördern wollte, die ihm anvertraut waren. So baute er als Spiritual bei Vallendar im Rheinland ein Internat für die angehenden Pallottiner auf und setzte dort – für seine Zeit revolutionär – auf Einsicht und nicht auf blinden Gehorsam. Auch heute fördert die Schönstattpädagogik solches eigenständiges Denken, indem sie bewusst machen, wie sehr Menschen von Medien und somit öffentlicher und veröffentlichter Meinung abhängig sind –zu Kentenichs Zeit waren es vor allem Autoritäten, die auf Befehl und Gehorsam setzten und dies nicht zuletzt durch die Prügelstrafe durchsetzten, was der Schülerseelsorger allerdings entschieden ablehnte. Kentenich setzte hingegen auf Selbsterziehung und sah gerade in der Marienfrömmigkeit einen guten Weg, dass dies gelingt. Vorbild war ihm dabei der Ingolstädter Jesuit P. Jakob Rem, der in der Zeit nach der Reformation junge Leute um sich sammelte und sie im Glauben unterwies. Rems Vision von der „dreimal wunderbaren Gottesmutter“ nahm er deswegen auf – die „Mater ter admirabilis“ ist daher in der Schönstattbewegung fest verwurzelt.

Aufgrund seines Talentes, zum selbständigen Glauben und Leben zu motivieren, wuchs seine Bewegung stark an – und sah eine Herausforderung auch rund zwanzig Jahre nach ihrer Entstehung im christlichen Bekenntnis gegen den Nationalsozialismus. Kentenich nahm trotz der Gefahren, in die er sich dadurch begab, kein Blatt vor dem Mund und wurde schließlich auch von der  Gestapo eingekerkert. Als Gefangener in einer winzigen und dunklen Zelle betete er laut den Rosenkranz – und erlebte wie auch andere Gefangene, oft nach unmenschlichen Verhören, in sein Gebet einstimmten und offenbar wieder Mut fanden.

Sein Geheimnis, so Schwester Doria zusammenfassend, war, dass er sich immer wieder in den Willen Gottes einschmiegte und auf diese Weise seinen Weg unbeirrt ging, ohne zu verzweifeln.

Text und Bild: © Raymund Fobes