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Rückblick

18.01.2019

Der Papst und der Kirchengegner: Schriftsteller Markus Herrmann lässt die Kirche im Zeitalter der Aufklärung lebendig werden.

Ein Papst im Briefkontakt mit einem bissigen Kirchenkritiker – beispielhaft war dafür die Beziehung zwischen dem französischen Dichter Voltaire und Papst Benedikt XIV im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung. Sie hat den Ingolstädter Autor Markus Herrmann inspiriert für seinen neuen Roman „Die flammenden Briefe“, in dem er den Briefwechsel, der entstand, als Voltaire sein Drama über den Propheten Mohammed „Mahomet“ dem Pontifex gewidmet hatte

Markus Herrmann führt mit seinem neuen Buch in die Welt des 18. Jahrhunderts. (Bild: Raymund Fobes)

Die Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten mit großem Interesse die Lesung (Bild: Raymund Fobes)

Markus Herrmann regte eine interessante Diskussion über Kirche und aufgeklärte Gesellschaft an. (Bild: Raymund Fobes)

Um dieses historische Geschehen herum entwickelte Herrmann nun einen fiktive Geschichte, in der ein Kardinal und enger Vertrauter des Papstes einen Geheimagenten gemeinsam mit einer Begleiterin als Dienstboten zu dem Dichter schickt, um ihn zum wahren Christentum zu bekehren. Doch dieses Vorgehen bleibt nicht geheim, Gegner bekommen Wind davon und der Papst und sein Kardinal geraten unter Druck. Alles beginnt, aus dem Ruder zu laufen.

Markus Herrmann ist es wieder einmal mehr gelungen, historische Ereignisse mit einer spannenden Geschichte zu kombinieren, sodass man durch diesen Roman Lust bekommen kann, sich mehr mit der Historie im Zeitalter der Aufklärung zu befassen.  

Und so war es denn auch, alsder Schriftsteller seinen Roman unter dem Titel „Ein Papst zum Anfassen“ im Haus der katholischen Stadtkirche vorstellte. Er regte eine Diskussion über den  Briefwechsel zwischen dem Papst und dem Kirchengegner an. Dabei wurde deutlich, dass der historische Benedikt XIV. durchaus offen für andere Denkansätze war, die der orthodoxen Lehre kritisch gegenüber standen. Gleichwohl aber hielt er als Pontifex der katholischen Kirche an ihrer Lehre fest. So wurde der Papst in der Diskussion nicht nur mit Papst Franziskus aufgrund dessen Weltoffenheit verglichen, sondern auch mit seinem Namensvetter Papst Benedikt XVI, der noch als Kardinal seine sehr tiefgehende Diskussion mit dem sich als „religiös unmusikalisch“ verstehenden Philosophen Jürgen Habermas geführt hat – ein Zeichen dafür, dass gerade auch Ratzinger ähnlich wie sein Vorgänger im Papstamt Benedikt XIV. durchaus offen für den ehrlichen Diskurs mit Andersdenkenden war, ohne dabei leichtfertig und unreflektiert den Standpunkt des anderen anzunehmen.

Raymund Fobes.